Wachs oder Kettenöl? Nassöl, Trockenöl, Squirt und Heißwachs im Vergleich
Heißwachs gewinnt bei Lebensdauer, Schmutz und Reibung, verlangt aber, dass du rechtzeitig neu wachst. Nassöl hält im Regen am längsten, bindet aber viel Schmutz. Trockenöl zieht weniger Schmutz an, wird aber schneller weggespült. Tropfwachs wie Squirt hält die Kette sauber und läuft leicht, hält aber nicht so lange wie Heißwachs. Fährst du viele Kilometer und willst einen sauberen Antrieb, ist Heißwachs meist die beste Wahl.
Die vier Optionen
Nassöl ist dick und klebrig. Es haftet gut, auch wenn es regnet. Genau deshalb sammelt es aber auch jeden Sand und Staub ein, der vorbeikommt.
Trockenöl ist dünn und in einem Lösungsmittel gelöst, das verdunstet. Zurück bleibt ein dünner Film, der weniger Schmutz anzieht, aber auch schneller weg ist.
Tropfwachs wie Squirt ist Wachs aus der Flasche. Squirt ist eine Mischung aus Wachs und Wasser, die du auf eine saubere, entfettete und trockene Kette tropfst. Das Wasser verdunstet, zurück bleibt eine Wachsschicht. Squirt empfiehlt, die Kette vor der Fahrt komplett trocknen zu lassen, bei nassem Wetter am besten schon am Vortag.
Heißwachs trägst du geschmolzen auf eine vollständig entfettete Kette auf. Das Wachs zieht in die Kette ein und wird beim Abkühlen hart. Außen bleibt die Kette trocken. Du musst allerdings regelmäßig neu wachsen: etwa alle 500 km. Machst du das selbst, bist du schnell 2 Stunden oder länger beschäftigt.
Im direkten Vergleich
| Bewertung (1 = schlecht, 5 = hervorragend) | Nassöl | Trockenöl | Tropfwachs | Heißwachs |
|---|---|---|---|---|
| Geringer Kettenverschleiß | 1 | 2 | 3 | 5 |
| Saubere Kette (wenig Schmutz) | 1 | 3 | 4 | 5 |
| Geringe Reibung | 2 | 3 | 4 | 5 |
| Hält im Regen | 4 | 2 | 3 | 3 |
| Einfache Pflege | 4 | 4 | 3 | 3 |
| Saubere Hände | 1 | 3 | 4 | 5 |
| Gesamt (von 30) | 13 | 17 | 21 | 26 |
Die Bewertungen sind unsere Einschätzung auf Basis der Tests von Zero Friction Cycling und Friction Facts. Bei „Einfache Pflege“ zählt, wie oft du etwas tun musst und wie viel Zeit es kostet: Öl ist schnell aufgetragen, Heißwachs musst du etwa alle 500 km erneuern, und selbst gemacht kostet dich das schnell 2 Stunden oder mehr.
Lebensdauer: Hier gewinnt Wachs am deutlichsten
Kettenverschleiß entsteht vor allem durch Sand, der sich mit dem Schmiermittel vermischt und zwischen den Bolzen schmirgelt. Öl hält diesen Sand genau an der falschen Stelle fest. Wachs ist trocken, also bleibt viel weniger Sand daran hängen.
In den Langzeittests von Zero Friction Cycling verschleißt eine Kette mit Heißwachs um ein Vielfaches langsamer als mit einem normalen Öl. Das gilt auch mit Schmutz und Wasser: Im nassen, dreckigen Test verschliss eine gewachste Kette deutlich weniger als die getesteten Nassöle.
Eine Bedingung gibt es allerdings: Der Vorteil gilt nur, solange Wachs in der Kette ist. Ist das Wachs aufgebraucht und du fährst weiter, verschleißt die Kette schneller als mit Öl.
Reibung: kleinerer Unterschied als oft behauptet
In den bekannten Tests von Friction Facts aus dem Jahr 2013, gemessen bei 250 Watt, war Paraffinwachs das schnellste Schmiermittel. Bei einer sauberen Kette lag der Unterschied zwischen bester und schlechtester Schmierung bei etwa 3 Watt. Wurde die Kette schmutzig, kamen bei den meisten Ölen rund 2 Watt dazu, während sich Wachs kaum veränderte. Der eigentliche Unterschied zeigt sich also vor allem nach ein paar dreckigen Ausfahrten.
Für Zeitfahrer zählt jedes Watt. Für Tourenfahrer ist es ein netter Nebeneffekt, aber kein Grund für sich.
Regen und Matsch
Nassöl bleibt im Regen am längsten auf der Kette. Das heißt aber nicht, dass es die Kette besser schützt: Es zieht den ganzen Sand von der Straße mit nach innen.
Wachs löst sich nicht in Wasser, aber der Sand, der mit dem Wasser kommt, schmirgelt das Wachs schneller ab. Nach einer nassen Fahrt ist also früher eine neue Behandlung fällig. Unsere Faustregel: Bei nassem Wetter kommst du 40 bis 50 Prozent weniger weit. Mehr dazu liest du in „Wie viele Kilometer hält eine gewachste Kette im Regen?“
Für sehr lange, schlammige Touren, bei denen du zwischendurch nicht wechseln kannst, empfiehlt sogar Silca ein Nassöl. Danach muss die Kette allerdings erst wieder komplett entfettet werden, bevor du sie neu wachst.
Trockenöl: selten die beste Wahl
Trockenöl bindet weniger Schmutz als Nassöl, aber mehr als Tropfwachs oder Heißwachs. Im Regen ist es schnell weg. Für staubige Sommerrunden funktioniert es gut. Ansonsten fährst du meist besser mit Wachs, oder mit Nassöl, wenn du viel im Regen unterwegs bist.
Tropfwachs wie Squirt: Wachs ohne Werkstatt
Squirt ist eines der bekanntesten Tropfwachse. Der große Vorteil: Du brauchst weder Topf noch Ultraschallreiniger. Eine Flasche mit 120 ml kostet etwa 10 bis 14 €.
Bei der Reibung schneidet Squirt gut ab. In den Tests von Friction Facts war es das schnellste Tropfschmiermittel, mit 4,7 Watt Verlust bei 250 Watt. Heißwachs lief in denselben Tests noch etwas leichter.
Der Unterschied liegt vor allem in der Haltbarkeit. Squirt selbst nennt 50 bis 480 km pro Anwendung, je nach Bedingungen. Zero Friction Cycling (ZFC) stellte im Test fest, dass die Kette mit Squirt bei trockenem Wetter lange sauber blieb. Bei Nässe und Schmutz verschliss sie deutlich schneller als mit Heißwachs. Mit der Zeit sah ZFC außerdem einen schwarzen, klebrigen Belag, der sich schwer entfernen lässt.
Du kannst Tropfwachs auch mit Heißwachs kombinieren. Laut ZFC kannst du Squirt zwischendurch auf einer gewachsten Kette verwenden: Überschuss abwischen und gut trocknen lassen. Nach ein paar Mal Nachtropfen lässt du die Kette am besten wieder reinigen und neu wachsen.
Von Öl auf Wachs umsteigen
Neue Ketten werden mit Werksfett geliefert, und eine gebrauchte Kette steckt voller altem Öl. Das muss komplett raus, bevor das Wachs haften kann. Mit einem Lappen klappt das nicht: Dafür brauchst du ein Entfettungsbad und eine Ultraschallreinigung. Auch Kassette und Kettenblätter müssen ölfrei sein. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du in „Von Kettenöl auf Wachs umsteigen: Schritt für Schritt“.
Du willst dir keine eigene Ausrüstung kaufen? Dann bestell eine gewachste Kette oder lass deine aktuelle Kette wachsen.
Was passt zu dir?
- Zeitfahren und Rennen: unser Speed-Wachs. Es spart bis zu 7 Watt gegenüber Öl.
- Training und Alltag: unser Standard-Wachs. Die beste Balance zwischen Geschwindigkeit und Reichweite.
- Touren, Gravel und Langstrecke: unser Endurance-Wachs. Es hält bis zu 1.000 km.
- Wachs ja, aber selbst pflegen ohne Werkstatt: Tropfwachs wie Squirt. Oder kombiniere beides: Heißwachs als Basis und Squirt zum Auffrischen zwischendurch.
- Viel Regen und keine Lust auf Pflege: Nassöl. Rechne aber mit einem dreckigeren Antrieb.
- Stadtrad mit wenigen Kilometern: Nassöl, ab und zu ein Tropfen.